Treibgut

Im Jahr 1995 kam den Akteuren der Esslinger Szene die Idee, ein selbstgeschriebenes Stück als Freilufttheater aufzuführen.
Das Stück befasste sich mit dem Leben des Treibguts unserer Gesellschaft, das am Rande so hin und her getrieben wird. Es war kein Drehbuchstück im üblichen Sinne, sondern ein Stück, das mit den Akteuren gemeinsam erarbeitet wurde.
Keiner wusste zu Beginn, wie das Stück am Ende wirklich aussehen würde. Die Kulisse war eindrucksvoll.

Auf dem Parksee in Nellingen bei Esslingen wurde das Rucksackboot verankert. Seine Plattform diente als Bühne. Drei Berber kampierten am See, um das Boot zu bewachen. Wider Erwarten gab es keine Proteste der Bürgerschaft. Im Gegenteil, es gab viel Verständnis und Anteilnahme. In den drei Wochen Liegezeit wurden das Boot und seine Bewacher Teile des Nellinger Lebens.

Die drei Aufführungen waren vom Wettergott begünstigt. Der Andrang war groß. Mehr als 1000 Zuschauer kamen. Wie bei allen Aktionen gab es auch Pannen und Fast-Pannen. Akteure erschienen erst in letzter Minute, die Intendanz hatte alle Mühe, die Fäden in der Hand zu behalten. Unter dem Strich hat es aber gut geklappt.
Das sommerliche Wetter und die gute Atmosphäre gaben nach den Aufführungen reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zum gemütlichen Beisammensein.

Kaum einer der Außenstehenden merkte jedoch, dass es sich um ein gemeinsam erarbeitetes Stück handelte. Jeder hatte sein Teil dazu beigetragen.

Kultur vom Rande für die Mitte. Die Mitte hat es gern aufgenommen.